Gorpinchenko I

Der Einfluss direkter Mobiltelefon-Bestrahlung auf die Spermienqualität.
The influence of direct mobile phone radiation on sperm quality.
Gorpinchenko I, Nikitin O, Banyra O, Shulyak A Erschienen in: Central European Journal of Urology 2014; 67 (1): 65–71

Weltweit hat die Spermienqualität nachgelassen, die Unfruchtbarkeit bei Männern ist vor allem auf verminderten Beweglichkeit und/oder der DNA-Schädigung der Spermienzellen zurückzuführen. In dieser Arbeit wurde untersucht, ob akute Bestrahlung mit einem gebräuchlichen Mobiltelefons für 900/1800 MHz Auswirkungen auf Lebensfähigkeit, Beweglichkeit und DNA-Strangbrüche in menschlichen Spermienzellen hat. Die Spermien von 32 gesunden kinderlosen Männern im Alter von durchschnittlich 27,5 ± 3,5 Jahren wurden im Labor untersucht. Die Kinderlosigkeit lag an der Unfruchtbarkeit der Ehefrauen.

Studiendesign und Durchführung: Vor dem Experiment sollten die Probanden 2 Monate lang kein Handy in der Tasche zu tragen und kein Laptop mit Funkverbindung benutzen. In den Spermienproben wurden im Labor auf die Ausgangswerte bestimmt, dann wurden 2 Gruppen gebildet, von denen die eine als Kontrolle diente (Gruppe A) und die andere bestrahlt wurde (Gruppe B). Die Bestrahlung erfolgte mit dem eingeschalteten Mobiltelefon im Stand-by- und im Sprechmodus, wobei alle 10 Minuten ein Anruf kam. Das Telefon war 5 cm von den Spermienproben entfernt. Nach der Bestrahlung wurden sofort Lebensfähigkeit und Beweglichkeit bestimmt, parallel dazu jede Stunde die Anzahl der DNA-Strangbrüche bestimmt.

Ergebnisse: Zwischen den Proben A und B ergaben sich keine signifikanten Unterschiede in der Anzahl der toten (Kontrollen 9,1 ± 3,7 % gegenüber 9,6 ± 4,1 % nach Bestrahlung) und den unbeweglichen Samenzellen (7,1 ± 2,5 % gegenüber 7,4 ± 3,3 %). Die Anzahl der Spermien mit guter Beweglichkeit nahm mit der Zeit kontinuierlich ab und waren nach 5 Stunden signifikant vermindert (81,3 ± 7, 2 % gegenüber 66,5 ± 6,3 %) und mit eingeschränkter Beweglichkeit signifikant erhöht (12,8 ± 5,8 % zu 25,3 ± 4,7 %). Die Untersuchung der DNA ergab im Verlauf der 5 Stunden eine steigende Anzahl von Strangbrüchen, die nach 5 Stunden signifikant vermehrt waren. Der Anteil betrug am Anfang 3,3 ± 1,2 % und nach 5 Stunden stieg er in der Gruppe B auf 8,8 ± 2,2 % an, bei der Kontrolle auf nicht-signifikante 4,2 ± 1,8 %. Die DNA-Strangbrüche traten vor allem in den ersten beiden Stunden der Bestrahlung auf; die DNA-Fragmentierung war nach der Bestrahlung statistisch um 65,3 ± 12,4 % höher als vor der Bestrahlung. Die Anzahl der unbeweglichen Zellen erhöhte sich nicht durch die Mobilfunkstrahlung, die Bestrahlung verminderte die Beweglichkeit nur in den vorher gut beweglichen Spermienzellen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die DNA-Strangbrüche durch die Bestrahlung verursacht wurden.

Schlussfolgerungen: Dass die Spermienqualität weltweit abgenommen hat führen Forscher auf verschiedene Umweltfaktoren zurück. Zu nennen sind Rauchen, Alkoholmissbrauch, Gifte in Nahrungsmitteln, erhöhte Temperatur im Hoden und giftige Metalle wie Blei und Cadmium. Relativ neu ist die mögliche schädliche Wirkung von Mobilfunkstrahlung auf Spermien, wie steigende Zahlen von Studien zu verminderter männlicher Fruchtbarkeit ergeben hatten. Die erste gut gemachte Forschungsarbeit dazu war 2008 von Agarwal und Mitarbeitern veröffentlicht worden, in der Anzahl, Beweglichkeit, Überlebensrate und normale Morphologie untersucht worden waren. Die Verminderung der Spermienqualität durch Mobilfunkstrahlung war abhängig von der Einwirkdauer – je länger desto schlechter die Qualität. Die Ergebnisse wurden in weiteren Studien bestätigt. Der Zusammenhang zwischen Mobilfunkbestrahlung, verminderter Spermienbeweglichkeit und erhöhter DNA-Schädigung ist bei Langzeiteinwirkung der Mobilfunkstrahlung auch in dieser Studie nachgewiesen worden. Deshalb sollten Männer, die Kinder haben möchten, kein Handy in der Hosentasche tragen. Nach Aussage der Forscher ist weitere gut geplante Langzeitforschung nötig ist, um die Folgen des Einflusses von Mobilfunkstrahlung auf die Fruchtbarkeit bewerten zu können.

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