Chen C

Einwirkung von 1800-MHz-Strahlung hemmt das Neuritenwachstum von embryonalen neuralen Stammzellen. Exposure to 1800 MHz radiofrequency radiation impairs neurite outgrowth of embryonic neural stem cells.
Chen C, Ma Q, Liu C, Deng P, Zhu G, Zhang L, He M, Lu Y, Duan W, Pei L, Li M, Yu Z, Zhou Z (2014) Erschienen in: Nature 2014 Scientific Reports 4; doi:10.1038/srep05103; http://www.nature.com/srep/2014/140529/srep05103/full/srep05103.html

Embryonale neurale Stammzellen (eNSCs) sind noch weitgehend undifferenziert und können in die 3 Haupt-Zelltypen des Gehirns ausdifferenzieren. Von ihnen hängt die korrekte Differenzierung dieser Zellen zu Neuronen und Gliazellen (Astrozyten, Stützzellen) ab sowie das Absterben von Zellen und die Entwicklung der Zellfortsätze (Neuriten). Embryonale neurale Stammzellen sind empfindliche Zellen, die während der Entwicklung des Gehirns die exakte Bildung der Nervenzellen (Neuronen) und ihrer Fortsätze (Neuriten) entscheidend mitbestimmen. Neuronale Differenzierung und Reifung sind wesentliche Phasen auf dem Weg zum ausgereiften Gehirn (Neurogenese). Diese Zellen werden in der Forschung für verschiedene Zwecke eingesetzt, u. a. zum Testen von Chemikalien auf Schädigung des Nervensystems (Neurotoxizität). Die Schädigung durch Mobilfunkfrequenzen kann vielfältig sein, z. B. durch Anstieg der ROS-Produktion, eingeschränkte Mitochondrienfunktion, Störung des Calcium-Spiegels in den Zellen, erhöhte Hitzeschockproteinbildung (ein Zeichen für Zellstress) und Veränderungen der Genexpression bestimmter Gene, die die Entwicklung des Gehirns bestimmen. Epidemiologische Untersuchungen und Tierexperimente im Labor haben außerdem ergeben, dass Mobilfunkstrahlung Verhaltensänderungen verursacht, die Plastizität des Hippocampus (der u. a. für das Erinnerungsvermögen bzw. das Gedächtnis zuständig ist) vermindert und die Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke erhöht. Zudem ist das Risiko von neurodegenerativen Erkrankungen und Hirntumoren erhöht. Die molekularen Mechanismen, die das Wachstum der Neuriten steuern, sind gut untersucht, aber die Wirkung der Mobilfunkstrahlung auf die Entwicklung des Gehirns ist weitgehend unbekannt.

Studiendesign und Durchführung: In diesem Experiment wurden embryonale Stammzellen von Mäusen mit der Strahlung eines 1800-MHz-Mobiltelefons (Trägerfrequenz) behandelt. Die Zellen wurden im Sprech-Modus 5 min Feld an und 10 min Feld aus (intermittierend) bestrah lt. Die SAR-Werte betrugen 1, 2 und 4 W/kg, die Dauer 1, 2 und 3 Tage. Es wurden 4 unabhängige Experimente durchgeführt.

Ergebnisse: Die Ergebnisse zeigten keine Unterschiede zwischen den unbestrahlten Kontrollen und den bestrahlten bei Überlebensrate der Zellen, Apoptose, Zellzyklus, Zellwachstum und der Differenzierungsrate von Neuronen und Astrozyten.
Aber das Längenwachstum der Nervenzellfortsätze (Neuriten) der aus den Stammzellen entstandenen Nervenzellen und die Anzahl der Verzweigungen der reifen Neuronen waren nach 3 Tagen der Bestrahlung mit 4 W/kg signifikant vermindert. Bestätigt wurden diese Ergebnisse durch Experimente, die die genetischen Abläufe und die Proteinbildung (mRNA- und Proteinexpression) während der Entwicklung untersuchten. Die wichtigsten Faktoren für das Wachstum der Neuriten und die Regulation und Differenzierung der Nervenzellen waren entsprechend vermindert, während die Aktivität der Gene für die Hemmung des Wachstums erhöht war. Das kann ein wichtiger Angriffspunkt der Mobilfunkstrahlung auf die Entwicklung des Gehirns sein.

Schlussfolgerungen: Diese Ergebnisse liefern wichtige Erkenntnisse zum Verständnis der Mechanismen und der Wirkungen der Mobilfunk-Strahlung auf die Entwicklung von eNSCs und die potenziell schädlichen Wirkungen auf die Entwicklung des Gehirns. Auch andere Forscher haben gefunden, dass Mobilfunkstrahlung das Neuritenwachstum beeinträchtigt. Zwar sind die hier angewendeten 4 W/kg über dem Grenzwert, aber bei längerer Einwirkzeit können auch geringere SAR-Werte schädliche Wirkungen auf die Gehirnentwicklung haben. Nach diesen Ergebnissen muss es nach Ansicht der Autoren dringend mehr Forschung geben, die die schädlichen RF-Wirkungen auf die Entwicklung des Gehirns untersucht.

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