Umur AS

Bewertung der Wirkung von Mobiltelefonen auf die Entwicklung des Neuralrohrs von Hühnerembryonen. Evaluation of the Effects of Mobile Phones on the Neural Tube Development of Chick Embryos.
Umur AS, Yaldiz C, Bursali A, Umur N, Kara B, Barutcuoglu M, Vatansever S, Selcuki D, Selcuki M Erschienen in: Turkish Neurosurgery 2013; 23 (6): 742-752

Da die Embryonalentwicklung durch viele Faktoren (Umwelt, Stoffwechsel, genetische Faktoren) gestört werden kann, sollte untersucht werden, ob auch das Einwirken der Strahlung eines 900-MHz-Mobiltelefons eine schädliche Wirkung auf die Embryonalentwicklung hat. In diesem Experiment wurden Hühnerembryonen untersucht, weil die frühen Entwicklungsphasen des Nervensystems beim Hühnerembryo ähnlich denen des menschlichen Embryos verlaufen. Aus dem Neuralrohr entsteht das Nervensystem, das sehr früh in der Entwicklung angelegt und spät fertig gestellt wird. Während dieser Entwicklung laufen viele Prozesse ab, die mit Differenzierung und Absterben von nicht mehr benötigten Zellen (programmierter Zelltod, Apoptose) einhergehen. Dieses festgelegte Programm kann in allen Phasen gestört werden, z. B. auch durch Strahlung. D. h. durch Strahlung kann eine Apoptose eingeleitet werden, wenn die Zellschädigung einen bestimmten Punkt erreicht hat. Ist die Schädigung geringer, kann die schadhafte Zelle weiterleben, aber u. U. führt das zu Fehlfunktionen. Deshalb wurde an Hühnereiern mithilfe der Apoptose untersucht, wie sich 900-MHz-Mobilfunkstrahlung auf die Entwicklung auswirkt.

Studiendesign und Durchführung: Je 50 befruchtete Hühnereier wurden in 4 Gruppen eingeteilt: unbestrahlte Kontrolle (1), Einwirkung von Mobiltelefonstrahlung im Stand-by- (2), im Anruf- (3) und Gesprächs-Modus (4). Im Anruf-Modus klingelte das Telefon alle 30 Minuten für 10 Sekunden, die „Gespräche“ fanden alle 60 Minuten statt und dauerten 10 Minuten. Die Bestrahlung erfolgte mit einem normalen 900-MHz-Handy bei 0,77 W/kg SAR (pers. Mitteilung, die Frequenz wurde in der Arbeit nicht angegeben). Jeweils nach 30, 48 und 72 Stunden wurden Proben entnommen, die mikroskopisch und auf die Apoptoserate untersucht wurden (Blindproben). Die Ergebnisse wurden mit verschiedenen Methoden bestätigt.

Ergebnisse: Nach 30 Stunden war bei allen Embryonen das Neuralrohr noch offen und im oberen Bereich waren apoptotische Zellprozesse zu sehen. Erhöhte Apoptose gab es besonders in Gruppe 3 (4 % ± 0,33), gefolgt von Gruppe 4 (3,1 % ± 0,37), Gruppe 2 (2,6 % ± 0,30) und Gruppe 1 (2,2 % ± 0,25). Der Prozentsatz der Apoptosezellen war in Gruppe 3 signifikant höher als in Gruppe 1 und 2. Nach 48 Stunden waren in den Gruppen 1, 2 und 4 die Neuralrohre geschlossen und es gab keine Apoptose-positiven Zellen, in Gruppe 3 war das Neuralrohr noch offen und Apoptosezellen im oberen Bereich vorhanden. Der Prozentsatz der apoptotischen Zellen in Gruppe 3 (Anruf-Modus) war signifikant höher im Vergleich zu den anderen 3 Gruppen. Nach 72 Stunden sah man in allen Gruppen geschlossene Neuralrohre und es gab keine Apoptosezellen. Die Verzögerung der Schließung und die erhöhte Apoptose in Gruppe 3 entstehen durch die erhöhte Strahlung des ständigen Anrufens ohne Antwort. Dass besonders in Gruppe 3 nach 48 h das Neuralrohr noch offen ist und Apoptose-positive Zellen beobachtet wurden, wird so gedeutet, dass die elektromagnetischen Felder in Prozesse der Apoptosemechanismen eingreifen, die während des Schließens des Neuralrohres aktiv sind. Auch während eines Gesprächs (Gruppe 4) ist die Strahlung höher als im Stand-by-Modus. Die Entwicklungsverzögerung in Hühnerembryonen in den frühen Entwicklungsstadien kann Fehlbildungen verursachen.

Schlussfolgerungen: Es ist gut möglich, dass es zu Temperaturerhöhungen im menschlichen Körper kommt und dies zu Schäden führt, denn das Nervensystem kann Wärme schlecht abführen. So stellt Mobilfunkstrahlung ein mögliches Risiko für schwangere Frauen dar. Obwohl es viele Studien gibt, die keinen Einfluss auf die menschliche Gesundheit unterhalb der internationalen Grenzwerte ergeben haben, gibt es aber auch keine aussagekräftigen, verlässlichen und konsistenten Studien, die solche Risiken ausschließen können. Da die Strahlung nicht mehr aus dem Leben auszuschließen ist, sollte man die neuen Technologien mit Vorsicht behandeln, die möglichen Schädigungen beobachten und mithilfe von Wissenschaft und Technologie die Risiken minimieren, empfehlen die Wissenschaftler.

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