Ozgur E

Wirkungen pränataler und postnataler Exposition gegenüber GSM-ähnlicher Hochfrequenz auf die Blut-Chemie und oxidativen Stress bei jungen Kaninchen, eine experimentelle Studie. Effects of Prenatal and Postnatal Exposure to GSM-Like Radiofrequency on Blood Chemistry and Oxidative Stress in Infant Rabbits, an Experimental Study.
Ozgur E, Kismali G, Guler G, Akcay A, Ozkurt G, Sel T, Seyhan N; Erschienen in: Cell Biochemistry and Biophysics 2013; 67 (2): 743–751

In dieser Studie wurde untersucht, ob 1800-MHz-Bestrahlung eine schädliche Wirkung auf junge Kaninchen hat, wenn diese vor und/oder nach der Geburt (pre- und postnatal) bestrahlt worden waren. Viele biochemische Parameter und insbesondere die Lipidperoxidation wurden im Blut bestimmt. Die Absorption der Strahlung hängt neben der Frequenz und der Polarisation wesentlich von der Größe der Person und den dielektrischen Eigenschaften der Organe ab. Durch den höheren Wassergehalt des Körpers während der Schwangerschaft werden der Körper und der Fetus in seinem Fruchtwasser empfindlicher für die Strahlung. Neugeborene Kinder haben einen höheren Wassergehalt als Säuglinge und Kinder, deshalb muss jede Entwicklungsphase bezüglich der Mobilfunkstrahlung einzeln bewertet werden. Hier wurden 2 Szenarien betrachtet: intrauterine (prenatale) und extrauterine (postnatale) Bestrahlung.

Studiendesign und Durchführung: Zuerst wurden 2 Gruppen (2 x 9) gebildet, 1. trächtige Kaninchen als scheinbestrahlte Kontrolle und 2. Bestrahlung mit 1800 MHz 15 min/Tag 7 Tage lang. Nach den Geburten wurden 72 neugeborene Tiere (je 36 männliche und weibliche Kaninchen, einen Monat alt) in 4 Gruppen zu je 9 Tieren eingeteilt: Gruppe 1 scheinbestrahlte Kontrolle, Gruppe 2 prenatale Expositionsgruppe (exponiert 1800 MHz 15 min/Tag 7 Tage lang im Mutterleib zwischen dem 15. und 22. Tag der Trächtigkeit), Gruppe 3 postnatale Expositionsgruppe (15 min/Tag bestrahlt, die männlichen 14 Tage, die weiblichen 7 Tage lang im Alter von 1 Monat), Gruppe 4 wurde prenatal und postnatal bestrahlt (15 min/Tag 7 Tage lang zwischen dem 15. und 22. Tag bzw. 15 min/Tag, die männlichen 14 und die weiblichen 7 Tage lang im Alter von 1 Monat). Die Bestrahlung erfolgte mit der 1800-MHz-GSM-Frequenz, gepulst mit 217 Hz bei 0,1 W Leistung. Am Tag nach der letzten Bestrahlung wurde den Tieren Blut entnommen und die biochemischen Parameter bestimmt: Cholesterol (CHO), Kreatinin, Harnstoff, Harnsäure, Kreatininkinase (CK), die Isoenzyme der Kreatininkinase im Herzmuskel, das herzspezifische Isoenzym der Kreatininkinase (CK-MB), gamma-Glutamyl-Transpeptidase (GGT), Aspartat-Aminotransferase (AST), Alanin-Transaminase (ALT), Albumin (ALB), Gesamtprotein (TP), Glucose (GLU) und Lipidperoxidation (mit Malondialdehyd, MDA).

Ergebnisse: Der Lipidperoxidation im Blutserum veränderte sich bei beiden Geschlechtern nach der Bestrahlung signifikant, besonders hoch war der Spiegel bei den prenatalen Gruppen. GGT war in beiden Gruppen geringer als bei den Kontrollgruppen und ALT stark erhöht in der prenatalen Gruppe, während die Gruppen 3 und 4 geringere Werte als die Kontrollgruppen hatten. Die anderen Blutparameter veränderten sich z. T. signifikant, bei den männlichen waren das Kreatinin, Harnsäure, GGT und ALB, bei den weiblichen Harnstoff, AST, Gesamtprotein und Glucose.
In dieser Studie wurden erhöhte Harnsäurespiegel im Vergleich zur Kontrollgruppe in den EU-RF- und IU+EU-RF-Gruppen der männlichen Kaninchen gefunden. Vielleicht sind das Frühstadien von Akuter Lymphoblastischer Leukämie oder überhöhte Blutzellauflösung. Erhöhte Harnsäurekonzentrationen im Blut nennt man Hyperurikämie; diese kann durch eine Überproduktion von Harnsäure im Körper oder eine Unfähigkeit der Nieren, genügend Harnsäure auszuscheiden verursacht werden. Außerdem kann Hyperurikämie durch überhöhte Aufnahme von Purinen mit der Nahrung, durch Alkoholkonsum, Auflösung von Tumoren (Lymphome, Leukämie oder festen Tumoren) und manchmal Chemotherapie hervorgerufen werden. Hohe Gehalte an Harnsäure im Blut können auch durch zu schnellen Abbau von Zellen oder nicht genügende Ausscheidung entstehen. Bei einigen Kindern mit Leukämie oder anderen Tumoren findet man hohe Harnsäurespiegel, bei männlichen höher als bei weiblichen Patienten (36,8 % bzw. 21,6 %). Harnstoff und Kreatinin sind für die Nierenfunktion erforderlich. In dieser Studie fand man erhöhte Werte von Kreatinin in den pre- und postnatalen Gruppen, statistisch signifikant aber nur bei den männlichen Tieren. Harnstoff ist bei den weiblichen Tieren signifikant vermindert, bei den männlichen Tieren leicht erhöht. Die Messungen der Leber-Enzymaktivitäten zeigen Leberfunktionsstörungen an. GGT ist ein Leberenzym, das die Übertragung von Glutamylgruppen zwischen verschiedenen Polypeptiden und Aminosäuren katalysiert, die erhöht sind bei Verschluss des Gallentraktes und bei Leberkrebs. Hier waren sie signifikant geringer in den bestrahlten Gruppen, was aber klinisch nicht bedeutsam ist. AST kommt in hohen Konzentrationen in Herz und Leber vor und kann zur Diagnose von Leberschädigung dienen. Erhöhte Werte wurden in den Prenatal-Gruppen bei beiden Geschlechtern gefunden, aber nur bei den weiblichen Kaninchen statistisch signifikant. Das Enzym CK katalysiert die reversible Übertragung von Phosphatgruppen zwischen Kreatin, Phospho-Kreatin, ATP und ADP. Das meiste CK bleibt im Skelett- und Herzmuskel sowie im Magen-Darm-Trakt, es erscheint aber schnell im Blut nach Schädigung von Muskelzellen. Hier gab es keine Veränderungen in CK und CKMB.

Schlussfolgerungen: Aus diesen Ergebnissen kann man schließen, dass durch die 1800 MHz statistisch signifikante Veränderungen in einigen Blutparametern, insbesondere der Lipidperoxidation, bei den jungen Kaninchen entstehen. Ein gesundes Leben hängt von normalen biochemischen Reaktionen im Körper ab und das ist besonders wichtig für Neugeborene, damit eine gesunde Entwicklung möglich ist. Die 1800-MHz-Bestrahlung führte neben den Veränderungen in vielen Blutparametern zu oxidativem Stress.

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