Liu C

Einwirkung von 1800-MHz-Strahlung induziert oxidative Schädigung in den DNA-Basen einer Spermatozyten-Zelllinie der Maus. Exposure to 1800 MHz Radiofrequency Electromagnetic Radiation Induces Oxidative DNA Base Damage in a Mouse Spermatocyte-Derived Cell Line.
Liu C, Duan W, Xu S, Chen C, He M, Zhang L, Yu Z, Zhou Z Erschienen in: Toxicology Letters 2013; 218 (1): 2–9

Umfangreiche epidemiologische Untersuchungen haben gezeigt, dass es zwischen Mobilfunknutzung und Hirntumoren einen Zusammenhang gibt. Die Verwendung einer Freisprechanlage kann die Strahlung im Gehirn verringern, sie aber möglicherweise an anderen Stellen des Körpers, wie den Reproduktionsorganen, erhöhen. Viele Studien haben einen möglichen Zusammenhang zwischen Mobilfunknutzung und verminderter Fruchtbarkeit bei Männern gefunden, wenn auch die Mechanismen unklar sind; kürzlich wurde berichtet, dass DNA-Schädigung in der männlichen Keimbahn dazu beiträgt. Ob die Strahlung von Mobiltelefonen DNA-Schäden in männlichen Keimzellen hervorrufen kann, ist unklar. In dieser Studie sollte untersucht werden, ob 1800-MHz-Strahlung DNA-Schäden in männlichen Keimzellen der Maus (Spermatozyten-Zelllinie GC-2 der Maus) verursacht.

Studiendesign und Durchführung: Die 1800-MHz-Bestrahlung erfolgte 24 Stunden lang intermittierend (5 Minuten an, 10 Minuten aus) mit einer SAR 1, 2 und 4 W/kg im simulierten Sprech-Modus. Zuerst wurden 5 Gruppen gebildet, um die Wirkung der verschiedenen SAR (1, 2 und 4 W/kg) zu testen, dazu kamen negative (scheinbestrahlt) und positive Kontrolle (Wasserstoffperoxid, H2O2). Zur Anwendung kam der Alkalischer Komettest (für DNA-Strangbrüche) und der modifizierter FPG-Komettest (Test auf oxidative Schädigung der DNA) zur Untersuchung, ob Mobilfunkstrahlung die DNA-Stränge schädigen und Vernetzungen zwischen DNA-DNA und DNA-Protein bewirken kann.

Ergebnisse: Man konnte keine vermehrte Anzahl an DNA-Strangbrüchen finden, vielleicht wurde die DNA schnell repariert. Von den 4 DNA-Basen der DNA ist Guanin dasjenige, das am leichtesten oxidiert wird. Deshalb wird angenommen, dass vor allem Purine empfindlicher gegenüber der Strahlung sind als DNA-Stränge, was in den folgenden Experimenten mit der Bildung von 8-oxo-Guanin (8-oxoG) herausgefunden werden sollte. Es zeigte sich, dass nur im FPG-Komettest und nur bei 4 W/kg signifikant erhöhte DNA-Schäden auftraten, die aber geringer waren als bei der positiven Kontrolle. Es wurden 6 unabhängige Experimente für 4 W/kg und 4 für die anderen durchgeführt. Die Konzentrationen von 8-oxoG waren bei 4 W/kg und H2O2 signifikant erhöht (29,4 % bzw. 51,7 %) im Vergleich zur scheinbestrahlten Kontrolle, während bei 1 und 2 W/kg kaum Unterschiede bestanden (3 unabhängige Experimente).
Für die Tests auf ROS-Bildung wurden ebenfalls 1, 2 und 4 W/kg untersucht. Nur 2 und 4 W/kg unterschieden sich signifikant von der scheinbestrahlten Kontrolle, die Werte lagen unterhalb der positiven Kontrolle. Zur Untersuchung, ob Vitamin E (α-Tocopherol) als ROS-Antioxidans eine Veränderung bewirkt, gab es 4 Gruppen: Scheinbestrahlung und Scheinbestrahlung mit α-Tocopherol, dann 1800-MHz-Bestrahlung mit und ohne α-Tocopherol. Man fand bei 4 W/kg eine signifikant verminderte ROS-Bildung bei den mit α-Tocopherol vorbehandelten Zellen. Beim FPG-modifizierten Komettest war die Basenschädigung nach der Bestrahlung hochsignifikant erhöht, bei den Zellen mit α-Tocopherol jedoch kaum höher als bei der scheinbestrahlten Kontrolle. Der Prozentsatz der Bildung von 8-oxoGuanin war ebenfalls bei Bestrahlung signifikant erhöht, mit α-Tocopherol etwa auf dem Niveau der negativen Kontrolle (3 unabhängige Experimente).

Schlussfolgerungen: Insgesamt bestätigen diese Ergebnisse, dass die 1800-MHz-Mobilfunkstrahlung nicht genug Energie für direkte DNA-Strangbrüche hat und deshalb keine Genmutationen auftreten, sondern die Gentoxizität in den männlichen Keimzellen besteht in indirekter oxidativen Schädigung der DNA-Basen durch falsche Bindungen der DNA-Basen im DNA-Molekül. Die oxidative Schädigung wurde durch erhöhte ROS-Produktion verursacht, die nicht zu sichtbaren DNA-Strangbrüchen führt. Obwohl man noch keine Aussagen über Langzeitwirkungen treffen kann, wird empfohlen, das Handy so weit wie möglich vom Körper entfernt zu halten, damit möglichst wenig Strahlung absorbiert wird. Zusätzlich sollte man Antioxidansreiche Nahrungsmittel oder Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen, um die genschädigende Wirkung der Mobiltelefonstrahlung zu verhindern. Ob diese Wirkung außer in Zellkulturen auch in Lebewesen auftreten kann, vielleicht bei längerer Einwirkzeit oder höheren Feldstärken, muss weitere Forschung zeigen.

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