Hanci H

Der Einfluss pränataler Einwirkung eines elektromagnetischen 900-Megahertz-Feldes auf den Hoden 21 Tage alter Ratten. The effect of prenatal exposure to 900-megahertz electromagnetic field on the 21-old-day rat testicle.
Hanci H, Odaci E, Kaya H, Aliyazicioglu Y, Turan I, Demir S, Colakoglu S
Erschienen in: Reproductive Toxicology 2013; 42: 203–209

Es gibt Hinweise, dass Mobilfunkstrahlung eine schädliche Wirkung auf die Entwicklung der Organe bei Embryo und Fetus haben kann. Bei weiblichen Ratten kann das reproduktive Potenzial schädigt werden, indem die Follikel-Kapazität beeinträchtigt wird, wenn die Strahlung in der Phase zwischen Befruchtung und Einnistung einwirkt. Einige Studien haben auch erbracht, dass bei männlichen Nachkommen nach Einwirken von Mobilfunkstrahlung in der 2. Schwangerschaftswoche die Entwicklung der Hoden gefährdet ist; man fand hohe Apoptoseraten in den männlichen Keimzellen. Das Ziel der Studie war, die Wirkung von vor der Geburt einwirkender 900-MHz-Strahlung auf Rattenhoden von 21 Tage alten Tieren zu untersuchen.

Studiendesign und Durchführung: Für diese Experimente wurden trächtige Muttertiere in 2 Gruppen, Kontrolle (CG) und EMF-Gruppe (EMFG), eingeteilt. Die EMF-Gruppe wurde von Tag 13 bis Tag 21 der Trächtigkeit 1 Stunde/Tag einer 900-MHz-Strahlung ausgesetzt. Die durchschnittliche elektrische Feldstärke betrug 10 V/m innerhalb des Käfigs (SAR 0,265 W/m2), ein Wert, der im Sprech-Modus erreicht werden kann und der die Grenze ist für eine einzelne Quelle im GSM-Basisstation-System. Von 20 (2 x 10) neugeborenen männlichen Nachkommen wurden die Hoden am Tag 21 entnommen und auf Lipidperoxidation (MDA-Spiegel), DNA-Oxidation im Blutplasma, Apoptose und Gewebeschädigungen getestet.

Ergebnisse: Die neugeborenen Ratten der Kontrollgruppe hatten keine krankhaften Veränderungen in den Hoden. In der bestrahlten Gruppe dagegen zeigten sich im Mikroskop Unregelmäßigkeiten im Basalmembran- und Epithelgewebe der Samenkanälchen, der Durchmesser und die Epitheldicke der Samenkanälchen waren signifikant geringer. Es befanden sich unreife Keimzellen im Lumen der Samenkanälchen und man sah Ödeme im die Zellen umgebenden Gewebe (Interstitium). Kernveränderungen in den Keimzellen zeigten Apoptose an; die apoptotischen Zellen waren in den bestrahlten Samenkanälchen signifikant höher als bei den Kontrollen (Apoptose-Index 18,39 ± 2,12 % bzw. 3,42 ± 0,96 %) und sie waren ungleich verteilt in den verschiedenen Regionen der Samenkanälchen. Die Lipidperoxidation (3,21 ± 0,78 bzw. 2,08 ± 0,64 nmol/g Protein) und die Plasma-DNA-Oxidation (8-OhdG 4,69 ± 2,69 bzw. 1,42 ± 0,58 ng/ml) waren signifikant höher als bei den Kontrollen. Es gab beim Hodengewicht keine signifikanten Unterschiede zwischen Kontroll- und EMF-Gruppe. Die Bestrahlung bewirkt eine vorgeburtliche Schädigung der Hoden, die nach der Geburt bestehen bleibt, da sie noch 21 Tage nach der Geburt nachweisbar sind.

Schlussfolgerungen: Nach diesen Ergebnissen hat die 900-MHz-Bestrahlung der trächtigen Tiere Auswirkungen auf die Hoden der neugeborenen Nachkommen und auch auf deren weitere Entwicklung. Die 900 MHz verursachen Veränderungen in den Samenkanälchen, einen Anstieg der MDA-Konzentration im Gewebe (Lipidperoxidation), der DNA-Oxidation im Blutplasma und der Apoptoserate. Da der Kreislauf der Feten über Uterus und Plazenta mit dem mütterlichen Kreislauf verbunden ist, und der oxidative Stress im Blutplasma der Nachkommen signifikant erhöht war, kann man annehmen, dass die Mobilfunkstrahlung sich schädlich auf die Nachkommen im Mutterleib ausgewirkt haben, auch wenn das Gewicht der Hoden nicht verändert ist. Da aber die Samenkanälchen geschädigt sind (Unregelmäßigkeiten in den Basalmembranen und dem Epithel, unreife Keimzellen im Lumen der Samenkanälchen), kann man schließen, dass die 900-MHz-Strahlung die Entwicklung der Samenzellen nach der Geburt beeinträchtigt, wenn die Felder vor der Geburt eingewirkt haben.

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