Ghanbari M

Die Wirkung von Mobilfunkstrahlung (900 MHz) auf Spermien und die antioxidative Gesamt-Kapazität bei Ratten.The effects of cell phone waves (900 MHz-GSM band) on sperm parameters and total antioxidant capacity in rats.
Ghanbari M, Mortazavi SB, Khavanin A, Khazaei M, Erschienen in: International Journal of Fertil Steril 2013; 7 (1): 21–28

Die Frage, ob Mikrowellen im 900-MHz-Bereich (870–915 MHz Basisstationen und 935–960 MHz von diesen zum Mobiltelefon) oxidativen Stress durch Lipidperoxidation und Veränderung der antioxidativen Abwehrreaktion im Körper verändern können, erfordert eine weitere Klärung. Oxidativer Stress ist ein Prozess, in dem das Gleichgewicht zwischen Peroxidans und Antioxidans so verschoben ist, dass biologische Schädigung die Folge ist. Antioxidantien werden in 2 Gruppen eingeteilt, in enzymatische und nicht-enzymatische.
Spermien(Samen)zellen sind empfindlich gegenüber oxidativem Stress, denn ihre Membranen enthalten einen hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren, die leicht oxidiert werden. Unter normalen Bedingungen enthält das Plasma der Samenzellen genügend Antioxidans-Mechanismen, um die ROS zu neutralisieren. Wenn aber ein Ungleichgewicht entsteht, kann das auf die Spermien negative Auswirkungen haben. In abnormen Spermien kommt es zu Überproduktion von reaktiven Sauerstoffmolekülen (ROS), was oxidativen Stress bedeutet und zu männlicher Unfruchtbarkeit führen kann. Einflussfaktoren dafür sind Alter, Umwelt (z. B. Strahlung) und Ernährung. Die Ursache für männliche Unfruchtbarkeit ist häufig, dass nicht genügend normale aktive Samenzellen produziert werden. Dafür kann u. a. Mobilfunkstrahlung verantwortlich sein, aber es gibt wissenschaftlich widersprüchliche Ergebnisse.

Studiendesign und Durchführung: Zur Klärung dieser Frage wurden Spermien von Ratten auf Überlebensrate, Beweglichkeit und Antioxidationsvermögen nach Einwirkung von Mobilfunkstrahlung untersucht. Dazu wurden 28 erwachsene Ratten in 4 Gruppen zu je 7 Tieren eingeteilt. Gruppe 1 scheinbestrahlte Kontrolle, Gruppen 2 und 3 wurden 2 bzw. 3 Wochen der 915-MHz-Strahlung ausgesetzt und Gruppe 4 für 2 Wochen der Antennenstrahlung einer Basisstation (950 MHz). Die Bestrahlung erfolgte 8 Stunden/Tag 14 bzw. 21 Tage lang mit einer durchschnittlichen Strahlungsintensität von 1,6 mW/cm2. Danach wurden die Spermien auf Überlebensrate, Beweglichkeit, Gestalt der Samenzellen und die durchschnittliche Antioxidans-Gesamtkapazität (das ist die Reduktionsfähigkeit des Spermienplasmas) untersucht.

Ergebnisse: Die Spermienanzahl und die normale Gestalt der Samenzellen unterschieden sich nicht signifikant in den 4 Gruppen. Die Überlebensrate veränderte sich signifikant gegenüber der Kontrollgruppe (87,64 ± 1,82 %) in allen 3 bestrahlten Gruppen: Gruppe 2 um 81,14 ± 2,87 %, Gruppe 3 um 74,71 ± 2,80 % und Gruppe 4 um 81,00 ± 6,61 %. Der Unterschied zwischen 2 und 3 Wochen Bestrahlung war ebenfalls signifikant. Die Beweglichkeit betrug bei der Kontrollgruppe 49,96 ± 4,59 %, in Gruppe 2 40,91 ± 4,11 %, in Gruppe 3 32,91 ± 4,09 % und in Gruppe 4 41,29 ± 6,41 %, was einer signifikanten Reduktion in allen 3 Gruppen entspricht. Zwischen 2 und 3 Wochen Bestrahlung war auch eine signifikante Verminderung zu sehen.
Die durchschnittliche Gesamtkapazität zur Oxidationsabwehr war in allen 3 Gruppen signifikant vermindert gegenüber der Kontrollgruppe, bei der ein Wert von 406,35 ± 64,12 µM/60 Millionen Spermienzellen ermittelt wurde. Die Werte betrugen 297,92 ± 92,76 für Gruppe 2, 251,16 ± 48,03 für Gruppe 3 und 290,34 ± 71,37 für Gruppe 4. Ein Vergleich mit der Kontrollgruppe zeigt in allen 3 bestrahlten Gruppen eine signifikante Verminderung der Fähigkeit der Samenzellen, die Oxidation zu bekämpfen. Der Unterschied zwischen Gruppe 2 und 3 war nicht signifikant, zwischen Gruppe 2 und 4 gab es keine Unterschiede.
Es könnte sein, dass vor allem die Dauer der Einwirkung für die Verminderung der Überlebensrate, der Beweglichkeit und der antioxidativen Fähigkeiten entscheidend ist, weniger die Frequenz, denn zwischen 915 und 950 MHz waren kaum Unterschiede zu sehen.

Schlussfolgerung: Das Einwirken von Mobilfunkstrahlung kann die Überlebensrate und die Beweglichkeit der Spermien und zudem die Fähigkeit vermindern, oxidativen Stress mit Antioxidantien zu bekämpfen. Die Mobilfunkstrahlung kann außerdem oxidativen Stress im Körper erzeugen und als Folge verschiedene Erkrankungen hervorrufen. Personen, die das Mobiltelefon sehr häufig nutzen, wird empfohlen, periodisch Kontrollen machen zu lassen und Nahrungsmittel mit vielen Antioxodantien zu konsumieren, um die schädliche Wirkung der Strahlung zu minimieren. Diese Ergebnisse decken sich weitgehend mit denen anderer Arbeitsgruppen.

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