Al-Damegh

Schädigung von Rattenhoden durch Strahlung eines normalen Mobiltelefons und die schützenden Wirkungen der Antioxidantien Vitamin C und E.
Rat testicular impairment induced by electromagnetic radiation from a conventional cellular telephone and the protective effects of the antioxidants vitamins C and E.
Al-Damegh MA; Erschienen in: Clinics (Sao Paulo) 2012; 67 (7): 785–792
 
Das Ziel der Studie war, die mögliche Wirkung der elektromagnetischen Strahlung eines normalen Handys auf den Status der Oxidantien und Antioxidantien in Blut und Hoden von Ratten zu untersuchen, ob die Vitamine C und D (als Antioxidantien) eine schützende Wirkung auf die Hoden haben und ob krankhafte Veränderungen in den Hodengeweben entstehen. Elektromagnetische Strahlung ist eines der Umweltgifte, das die männliche Fruchtbarkeit schädigen kann durch Erzeugung von oxidativem Stress in den Hoden. ROS (reaktive Sauerstoffmoleküle) werden im Gewebe ständig neutralisiert durch Antioxidantien. Immer wenn die Neutralisationskapazität überschritten wird, entsteht oxidativer Stress. Schon 1992 wurde herausgefunden, dass elektromagnetische Felder die Aktivität von freien Radikalen in Zellen erhöhen. In den letzten 10 Jahren konnte in Tierexperimenten nachgewiesen werden, dass oxidativer Stress auch durch Mobilfunkstrahlung entsteht. Die Mechanismen sind entweder erhöhte ROS-Produktion oder verminderte Aktivität der Antioxidans-Enzyme. Das Hodengewebe ist sehr empfindlich, ähnlich wie das Nervengewebe. So ist es dringend notwendig, Antioxidantien zu finden, die die zelleigenen Abwehrstrategien unterstützen können, um die Hoden vor den Folgen der ROS-Angriffe zu schützen.
Dazu wurden in dieser Studie die Enzymaktivitäten einiger Radikalfänger im Blut und im Hodengewebe sowie die Wirkung der Vitamine C und D nach Einwirkung von Mobilfunkstrahlung untersucht.

Studiendesign und Durchführung: 120 männliche Ratten waren in 6 Gruppen unterteilt, je 30 Tiere bekamen nur die Handystrahlung (Gruppe 1), die beiden anderen Gruppen zusätzlich Vitamin C bzw. Vitamin E (Gruppen 2 und 3). Als Kontrollen für die 3 Gruppen dienten je 10 Tiere unter Scheinexposition. Die 3 Expositionsgruppen bekamen 2 Wochen lang 15, 30 oder 60 Minuten täglich die Mobilfunkbestrahlung eines Mobiltelefons (900/1800/1900 MHz, maximal 2 Watt, 0,02 mW/cm2, durchschnittlicher SAR-Wert ca. 0,9 W/kg). Der oxidative Stress wurde mit verschiedenen Tests durchgeführt: Glutathion (GSH), Lipidperoxidation (CD und LIP Di), Glutathionperoxidase (GSH-Px) und Katalase (CAT). Die histologische und morphologische Untersuchung erfolgte im Mikroskop.

Die mikroskopische Untersuchung zeigte in den bestrahlten Hodengeweben degenerative Veränderungen und eine hohe Anzahl von sich teilenden Zellen nach 14 Tagen Bestrahlung. In den Samenkanälchen befanden sich absolut keine Samenzellen und einige Spermatogonien zeigten vergrößerte Zellkerne (Karyomegalie) und viele mitotische Teilungen. Die bestrahlten Samenkanälchen hatten auch einen signifikant größeren Durchmesser, während die Höhe des Keimepithels signifikant vermindert war gegenüber den Kontrollen. Weiter wurden eine Reduktion der Spermatid-Anzahl innerhalb des Lumens der Samenkanälchen, deutliche mitotische Teilungen und Kernschrumpfung (Pyknose, ein Anzeichen für Apoptose) einiger Spermatogonien beobachtet. Die zusätzliche Gabe der Vitamine C und E für die 2 Wochen hatte eine deutliche regenerative Wirkung auf das Gewebe der Samenkanälchen, d. h. es erfolgte eine signifikante Abnahme der schädigenden Strahlenwirkung.
Die oxidativen Marker im Blut und in den Hodengeweben zeigten einen signifikanten Anstieg der Konzentrationen von GSH und GPx in allen bestrahlten Gruppen, während die Konzentrationen von CD; LIP Di und CAT vermindert waren. Dagegen waren in den Proben mit der zusätzlichen Vitamingabe alle Parameter geringer als bei den Proben, die nur die EMF-Behandlung bekommen hatten. Vitamin C und E scheinen einen signifikanten Schutz gegen den durch die Strahlung hervorgerufenen oxidativen Stress zu bewirken.
In den Hodengeweben der bestrahlten Gruppen nahmen die GSH-Konzentration und die GPx-Aktivität signifikant ab, auf 64,6 bis zu 26,0 %. Im Unterschied dazu stiegen die Konzentrationen von CD, LIP, Di und CAT signifikant an. Die schützende Wirkung der Vitamine C und E konnte durch die gestiegene Aktivität von GSH und GPx und die verminderten Konzentrationen der Marker für Lipidperoxidation (CD und LIP Di) und CAT nachgewiesen werden, die alle im fast normalen Konzentrationsbereich im bestrahlten Hodengewebe vorlagen und sich signifikant von den Kontrollen unterschieden.

Schlussfolgerungen: Diese Ergebnisse zeigen, dass die Mobilfunkstrahlung die Enzymaktivitäten im Blut und Hodengewebe und auch die Architektur des Hodengewebes von Ratten verändert. Dies deckt sich z. T. mit Ergebnissen anderer Forscher. Obwohl die Hoden über ein sehr spezialisiertes Antioxidans-System verfügen, können von außen zugefügte Antioxidantien wie die Vitamine C und E zusätzlich schützen und so den schädigenden oxidativen Stress durch Mobilfunkstrahlung kompensieren. Die Vitamine C und D unterdrücken die Lipidperoxidation und stellen die physiologischen Konzentrationen der Abwehrenzyme wieder her.

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