Ruzicka: Schlussfolgerungen aus wiss. Literatur

06.06.2006

Schlussfolgerungen aus der bisherigen wissenschaftlichen Literatur über Bioeffekte durch elektromagnetische Felder (EMF)
von Univ.-Doz. Dr. Ferdinand Ruzicka

Einleitend kann festgestellt werden:

(1) Allgemein wird von der wissenschaftlichen Gemeinschaft anerkannt, dass es bei ionisierender Strahlung (energiereicher Strahlung) zu massiven Schädigungen bis zum Tod biologischer Systeme kommt.

(2) Unbestritten ist ebenso, dass eine übermäßige chronische Erwärmung (intensitätsreiche Strahlung) zu Schäden bis zum Tod eines Biosystems führt.

(3) Nicht allgemein anerkannt wird von der wissenschaftlichen Gemeinschaft, dass eine nichtionisierende Strahlung mit geringem oder nicht mehr messbarem Erwärmungseffekt (intensitätsarme Strahlung) zu Schäden in Biosystemen führt.

Welche Schlussfolgerungen können aus der bisherigen Literatur in Bezug auf diesen dritten Punkt gezogen werden? Zunächst gibt es dazu sehr viele wissenschaftliche Studien und jährlich erscheinen zahlreiche weitere Publikationen in der Fachliteratur, also ist bereits ausreichend Material vorhanden um diesen dritten Punkt einer ersten Klärung zuzuführen.

(1) Ein ganz wichtiger Aspekt der meist nicht beachtet wird ist, dass die Forschungsergebnisse zeigen, durch RF (Mikrowellen) induzierte Bioeffekte und jene die durch ELF Felder (niederfrequente Felder, 50 Hz Wechselstrom) auftreten sind identisch. Daher können Forschungsergebnisse von ELF – Feld - Expositionen benutzt werden um Bioeffekte bei RF (Mikrowellen) Feld – Expositionen zu interpretieren und vorherzusagen, und vice versa!

(2)
Es gibt bereits ein plausibles Wirkmodell ! Die Ursache für Bioeffekte liegt in der Struktur der Wellenzüge eines EMF. Weisen diese eine Konstanz (Kohärenz) auf, wie etwa eine 50 Hz oder 60 Hz Sinuswelle, eine regelmäßige Sägezahnkurve oder die bursts beim Mobilfunk ist dieses EMF bei einer Einwirkdauer von länger als einer Sekunde (Kohärenzlänge) bioeffektiv. Ein EMF mit Wellen variabler Frequenz (stochastische oder inkohärenteWellenzüge) ist nicht bioeffektiv! Die Superposition eines kohärenten bioeffektiven EMF mit einem inkohärenten EMF (Hintergrundrauschen) führt zu einem in der Summe inkohärenten nicht bioeffektiven EMF. Dies ist einer der am besten untersuchten Bereiche des Elektromagnetismus.

(3) EMF wirken im nicht ionisierenden intensitätsarmen Bereich als Distressor. Daher können sie bei chronischer Einwirkung nach langer Latenzzeit zu Diabetes mellitus, Hypertonie, Herzattacken, Schlaganfall, malignen Tumoren, Asthma, Bronchitis, Depressionen führen. Dies wird durch zahlreiche wissenschaftliche Studien unterstützt.

Tatsächlich findet die Mehrzahl aller Studien negative Auswirkungen bei chronischer Einwirkung von EMF ! Bei jenen Studien die keine Auswirkungen feststellten, kann man aber immer wieder methodische Fehler oder sonstige Mängel nachweisen (zu geringe Versuchs- oder Beobachtungsdauer, zu geringe Fallzahl, ungeeignete statistische Auswertung etc.), sehr oft wurden solche Studien von der Industrie gefördert. Einige Beispiele für solche Studien hat Prof.Dr.Kundi in einem Vortrag (13. Jahresfortbildungstagung Umweltmedizin der Österreichischen Ärztekammer „Gesundheitsrisiko Mobilfunk“ am 19. November2005, St.Pölten, Österreich) geliefert. Studien die keine Bioeffekte gefunden haben werden durch Doppelblindstudien die lege artis durchgeführt wurden und z.B. Chromosomenaberrationen, Doppelstrangbrüche oder Mikrokerne etc. fanden (REFLEX) widerlegt. Vor allem aber werden verharmlosende Studien von Beobachtungen in der Praxis arbeitender Ärzten widerlegt, die immer wieder im Umfeld von Handymasten, bei jenen die DECT-Schnurlostelefone und Handys benutzen, einen ähnlichen Komplex von Symptomen und Krankheiten feststellten (EMF – Syndrom). Deshalb treten bereits zahlreiche Ärzte für eine massive Senkung der Gesamt-Strahlenbelastung, besonders aber der Strahlenbelastung durch den Mobilfunk ein (Freiburger Appell, Bamberger Appell u.a.). Siehe dazu die Seiten Gesundheit, Wirkungen u.a. auf dieser Homepage. Das ist keine Verunsicherung der Bevölkerung durch diese Ärzte, sondern die Sorge um die Gesundheit der jetzigen und der nächsten Generation, sowie der Finanzierbarkeit der Gesundheits- und Sozialsysteme, die sich darin ausdrückt. Ein erster Hoffnungsschimmer für den bereits „elektrosensibel“ oder „elektro-allergisch“ gewordenen Personenkreis in Österreich sind die Warnungen der Österreichischen Ärztekammer, der Wiener Ärztekammer und des Gesundheitsministeriums im Jahr 2005.

http://www.mikrowellensmog.info/emf.html