Ecolog: Wirkmechanismus von EMF

ECOLOG-Institut veröffentlicht Artikel zum Wirkmechanismus von EMF

Dr. H.-P. Neitzke, ECOLOG-Institut:
Einfluss schwacher Magnetfelder auf Biologische Systeme: Biophysikalische und biochemische Wirkungsmechanismen, 2012

In dieser Arbeit werden die Induktion elektrischer Ströme, die Einkopplung über Magnetit-Kristalle und der Radikal-Paar-Mechanismus als biophysikalische Ansätze zur Erklärung des Einflusses von Magnetfeldern auf physiologische Prozesse vorgestellt. Elektromagnetische Felder haben einen Einfluss auf den Spin (von englisch spin ‚Drehung‘, ‚Drall‘), eine quantenmechanische Eigenschaft von Teilchen. Kommen Freie Radikale in enge Nachbarschaft, dann schließen sich diese Moleküle (als Kationen und Anionen) zu Radikalpaaren zusammen, wobei eine Spinkopplung der beiden freien Elektronen stattfindet. Daraus resultieren kurzlebige Verbindungen, die zwischen einem Singulett- (die beiden Spins zeigen in entgegengesetzte Richtungen) und einem Triplettzustand (die beiden Spins zeigen in gleiche Richtungen) hin und herpendeln können. Neitzke beschreibt die Konsequenzen:

„Radikale haben aufgrund ihrer hohen Reaktivität eine Schlüsselfunktion im Ablauf und bei der Steuerung vieler chemischer Reaktionen. Radikalpaare treten bei vielen chemischen Elementarprozesse als Zwischenzustände auf. Eine zentrale Rolle spielen transiente Radikal-Paare z .B. bei der bakteriellen und pflanzlichen Photosynthese, bei der Lichtenergie in chemische Energie umgewandelt wird. Auch bei der Kanzerogenese können Radikale wirksam sein. Wenn durch einen äußeren Einfluss, z. B. UV-Strahlung, in einer Zelle Radikal- Paare entstehen, deren hochreaktive Bestandeile die DNA angreifen und es der Zelle nicht gelingt, die durch ein freies Radikal verursachten Defekte zu reparieren, kann dies zu Krebs oder anderen Schäden führen. Wenn die Reaktionskinetik der Radikale durch ein äußeres Magnetfeld verändert wird und dadurch deren Menge oder Lebenszeit geändert wird, könnte sich dies auf die Entwicklung von Krankheiten auswirken.“

Neitzke arbeitet den Forschungsstand auf und kommt zu dem Schluss, dass damit ein plausibler Wirkmechanismus vorliegt. Damit bestätigt er sie Ausarbeitungen von Dr. U. Warnke(s.u.). Die Bestätigung durch Neitzke hat einen hohen Stellenwert. Das behördliche Rechtfertigungsmodell ist damit objektiv zusammengebrochen. Forschungsberichte und Kritik an der Schädlichkeit der Mobilfunkstrahlung wurden bisher mit dem Argument des fehlenden Wirkmechanismus, d.h. dem fehlenden Nachweis der Kausalität, nicht zur Kenntnis genommen. Gerichte beschäftigen sich nicht mit von Medizinern vorgelegten Fällen, “weil nach dem heutigen Kenntnisstand der Nachweis der Kausalität zwischen nichtthermischen Wirkungen und den von Nachbarn vorgetragenen Krankheitsbildern nicht erbracht werden kann. Den Gerichten kommt diesbezüglich wegen des derzeitigen komplexen wissenschaftlichen Erkenntnisstandes auch keine Pflicht zur Beweisaufnahme zu, wenn die Mobilfunkanlage die gesetzlichen Werte einhält.“ (Bundestagsdrucksache 15/5415, S.14)

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Shiroff, Vladislav: DNA and Chromosome Damage: A Crucial Non-Thermal Biological Effect of Microwave Radiation An Overview of Studies and Models on the Effect Mechanism, 2008; Deutsch:
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